Fachtag zeigte Erfolge und Herausforderungen der Verwandtenpflege

Evaluation zeigt: Regionalverbands-Jugendamt bundesweit Vorreiter

BU: Auf dem Podium diskutierten v.l. die Sozialdezernentin des Regionalverbandes Petra Spoo-Ludwig, Andreas Sahnen vom Jugendamt Düsseldorf, Dirk Schäfer, Geschäftsführer der gemeinnützigen Perspektive GmbH, Jugendamtsleiter Armin Weppernig, die Leiterin des Sozialen Dienstes Beate Brand mit Moderatorin Andrea Dittmann von der Uni Siegen. Foto: Stephan Hett / Regionalverband

„Der Regionalverband hat sich in einem Bereich, in dem es keine Standards gibt, sehr erfolgreich auf den Weg gemacht“, resümierte Dirk Schäfer, Geschäftsführer der gemeinnützigen Perspektive GmbH. Gemeint war der Bereich der Verwandtenpflege, den Schäfer im Auftrag des Regionalverbandes evaluiert und zu dem der Regionalverband einen Fachtag im Festsaal des Saarbrücker Schlosses veranstaltet hatte.

Worum geht es bei der Verwandtenpflege? Im Regionalverband können etwa 1.000 Kinder aus den unterschiedlichsten Gründen nicht mehr bei ihren leiblichen Eltern leben. Der Großteil ist in stationären Einrichtungen untergebracht. Aber deutlich mehr als ein Drittel aller unterzubringenden Kinder sind vom Jugendamt in Pflegefamilien vermittelt worden. Wenn die Pflegeeltern aus dem Kreis der Verwandten des Pflegekindes gefunden werden – meist sind es die Großeltern – spricht man von Verwandtenpflege.

Nach Angaben von Regionalverbandsdirektor Peter Gillo habe der Regionalverband seit 2015 den Bereich der Verwandtenpflege zunächst zentralisiert und dann immer weiter ausgebaut: „Deutschlandweit sind 25 Prozent aller Pflegeverhältnisse bei Verwandten angesiedelt, im Regionalverband sind es mittlerweile 44 Prozent. Die Betreuung durch das Jugendamt muss in diesen Fällen intensiver erfolgen. Dass sich dieser Einsatz aber lohnt, hat auch die wissenschaftliche Begleitung unseres Projekts gezeigt.“

Die Verwandtenpflege steht vor einigen Herausforderungen: So handelt es sich tendenziell um ärmere Familien als bei fremden Pflegefamilien. Auch die Besuchskontakte mit den leiblichen Eltern sind bei Verwandtenpflegeverhältnissen viel umfangreicher. Die Auswertung der Erfahrungen im Regionalverband hat auch einige Anregungen und Empfehlungen ergeben. Zum Beispiel müssen bei Verwandtenpflegeverhältnissen die leiblichen Eltern viel stärker in den Blick genommen werden. Auch Zusatzmaßnahmen der Jugendhilfe wie Familienhelfer oder informelle Austauschmöglichkeiten für die Pflegeeltern können zur Stabilisierung dieser Pflegeformen beitragen.

Als eine wichtige Aufgabe für die Zukunft nannte in der Expertendiskussion Andreas Sahnen vom Düsseldorfer Jugendamt, dass man bundesweit gültige Standards formulieren müsse. Dirk Schäfer hob nochmal die teilweise faszinierenden Biographien der Pflegeeltern hervor. Oftmals seien es Großeltern, die von heute auf morgen ihre Lebenspläne ändern und ihr Leben auf den Kopf stellen, um als Pflegeeltern auf beeindruckende Art und Weise zu helfen. Sowohl einige Pflegeeltern als auch leibliche Eltern, deren Erfahrungen mit in die Evaluation der Verwandtenpflege im Regionalverband eingeflossen sind, waren beim Fachtag im Festsaal zu Gast.