Kulturpreis für Kunst 2016

Der Regionalverband Saarbrücken setzt mit einem eigenständigen Kulturpreis einen wichtigen Akzent im Kulturleben der Region. Im jährlichen Wechsel wird ein Kulturpreis für Kunst und ein Kulturpreis für Musik vergeben. Ziel ist die Begegnung und der Austausch zwischen relevanten Themen der Regionalentwicklung und der Kunst. 

Eine engagierte Kunst für die Region

Der Regionalverband Saarbrücken vergab den Kulturpreis für Kunst 2016 an die Künstlergruppe Kollektiv Zimmermann-Tosun-Langhammer in Anerkennung und Wertschätzung ihrer engagierten Kunst für die Region.

Warum der Regionalverband den Kulturpreis ausdrücklich für „engagierte Kunst“ vergibt

Ein Lebensraum wie der Regionalverband Saarbrücken braucht zeitgenössische künstlerische Reflexionen zur Gegenwart sowie Modelle und Visionen für eine nachhaltige Entwicklung. Auch Künstlerinnen und Künstler leisten wichtige Beiträge in der Auseinandersetzung mit zentralen gegenwärtigen Problemen und ihren Lösungen, wie beispielsweise zum Klimawandel, zum kulturellen und sozialen Miteinander, zur Vermittlung interkultureller Kompetenz, zur Integration von Zuwanderern, zur regionalen Identität und Baukultur oder zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit. Der Kulturpreis für Kunst des Regionalverbandes Saarbrücken akzentuiert deshalb die engagierte Kunst. Damit soll eine Brücke geschlagen werden zwischen dem Auftrag der nachhaltigen regionalen Entwicklung einerseits und der Kunst in der Region Saarbrücken andererseits. 

Das KOLLEKTIV Zimmermann-Tosun-Langhammer

Die Künstlerin und Sozialarbeiterin Gisela Zimmermann, der Künstler und Grafiker Thomas Langhammer und die Pädagogin Rûken Tosun leben und arbeiten in Saarbrücken. Sie haben sich vor einigen Jahren unter dem Namen Das KOLLEKTIV Zimmermann-Tosun-Langhammer zusammengeschlossen. Ihre künstlerische Arbeit ist interdisziplinär ausgerichtet und konzentriert sich insbesondere auf die Jugendarbeit in der Region Saarbrücken. Sie nutzen dabei einen „Crossover“ aus Film, Fotografie, Malerei, Performance, multimedialer Kunst, Installation von Videokunst, Webinstallation und Schauspiel.

v.l.n.r. Thomas Langhammer, Gisela Zimmermann, Ruken Tosun Foto: Dilnas Bilgic

Die Künstlergruppe ergänzt ihr Team jeweils projektbezogen mit jungen Absolventen der HBK Saar, der HfM Saarbrücken sowie der HTW-Fachbereich Soziale Arbeit.

2009 als Initiative gestartet, gründeten sie 2011 den Verein „label m – Werkstatt für Jugendkultur e.V.“ (www.labelm.org).

Ihre künstlerische Arbeit mit jungen Menschen erfolgt zumeist auch in Kooperation mit  regionalen öffentlichen Institutionen. Auch die Kulturstiftung des Bundes unterstützt Ihre engagierten Projekte durch den FONDS SOZIOKULTUR, da Ihre Vorhaben Modellcharakter besitzen, indem sie aktuelle gesellschaftliches Themen aufgreifen, die neue Praxis- und Aktionsformen in der Soziokultur erproben, den Austausch und die Integration fördern und mit den Mitteln der Kunst und Kultur – neue Formen der Bürgerbeteiligung in der Stadt, der Gemeinde, im Viertel umsetzen. Kurz: Projekte, die anderen Akteurinnen und Akteuren sowie Einrichtungen als Beispiel dienen können (siehe: www.fonds-soziokultur.de).

Der Vorschlag wurde von Prof. Gabriele Langendorf, Rektorin der Hochschule der Bildenden Künste Saar, für den Kulturpreis für Kunst 2016 eingereicht, da die Künstlergruppe in Ihrer vielfältigen künstlerischen Arbeit immer auch konkrete Bezüge zum Schwerpunktthema – Eine engagierte Kunst für die Region – berücksichtigt:

„Das Trio Gisela Zimmermann, Rûken Tosun und Thomas Langhammer beantwortet die Frage nach der gesellschaftlichen Relevanz von Kunst auf ihre besondere Art: Sie gehen direkt dorthin wo das pralle Leben sprudelt, zum Beispiel die Stadtteile der Landeshauptstadt Saarbrücken und aktivieren Jugendliche sich auf künstlerischem Wege mit dem Leben und der Gesellschaft auseinander zu setzen“, erläutert Gabriele Langendorf ihren Vorschlag.

Vor diesem Hintergrund sind in den letzten Jahren eine Reihe herausragender Kunstprojekte entstanden, um junge Menschen in der Region Saarbrücken mit künstlerischen Methoden eine Möglichkeit zu bieten, sich mit ihrem Lebensraum auseinanderzusetzen. Der Künstlergruppe geht es insbesondere darum, junge Talente zu fördern, Jugendliche bei der Identitätsfindung und gesellschaftlichen Integration zu unterstützen und mit künstlerischen Mitteln die gemeinsamen Erfahrungen zu dokumentieren.

Für diese Menschen schaffen sie Heimat, in die sich die zumeist jugendlichen Protagonisten integriert fühlen. Die kreativen Prozesse und die gemeinsame künstlerische Arbeit fördert nicht nur die eigene Lebensqualität, sondern auch Orientierung und Werte für die eigene und zukünftige Generation.

Kunstprojekte der Künstlergruppe in den letzten Jahren ( Auswahl)

„UNSERE RECHTE – kennst du die Menschenrechte“ 2015: In Workshops mit Jugendlichen wurden die allgemeinen Menschenrechte vorgestellt, besprochen und Engagement zu ihrer Publikation entwickelt. Im Anschluss erfolgte eine Gestaltung der erarbeiteten Inhalte auf Postkarten und Plakaten, die in der Region Saarbrücken ausgelegt und verteilt wurden.

 www.facebook.com/Unsere-Rechte-1490827764571242

„MALSTATT KULT – viel Farbe und ein Fest“ 2015

Die Künstlergruppe setzte sich 2015 zum Ziel, den Saarbrücker Stadtteil Malstatt durch künstlerische Akzente attraktiver zu machen. Zuerst gestalteten sie gemeinsam mit Jugendlichen ihren Treffpunkt auf dem Kirchberg: ein kleines Container-Dorf vor einer großen Wand! Zum Kirchbergfest zeigten sie ihre Entwürfe für weitere Wände in der Umgebung im Rahmen einer Ausstellung.

 www.facebook.com/malstattkult

2016: „HEIMATEN – eine aktionistische Recherche“. Jugendliche Recherche-Teams interviewen Menschen in Stadt und Land zu ihrem Verständnis von Heimat und den allgemeinen Menschenrechten. Daraus entwickeln sie einen Dokumentarfilm.

Crossover Malstatt - ein Film von Jugendlichen über sich und ihre Stadt. 2011.

Crossover Saarbrücken - ein Film von Jugendlichen über sich und ihre Stadt 2016.

Der Film ist eine Selbstdarstellung der Lebenswelten einiger Cliquen. Er zeigt nur einen kleinen Ausschnitt der vielfältigen Jugendkulturen (aus 20 Std. Material wurden 30 Min. geschnitten) und kann dennoch eine Ahnung vermitteln von der kreativen Energie im Untergrund unserer Stadt. Auf diesem wilden Experimentierfeld gedeiht die Kultur von Morgen.

Lebensläufe

Geboren 1965 in Merzig/ Saar

1994-1998 Studium der Sozialarbeit in Saarbrücken und Frankfurt

1998 Diplom Sozialarbeit ( seitdem in der offenen Kinder- und Jugendarbeit aktiv.)

2004-2009 Studium der Freien Kunst an der Hochschule der Bildenden Künste Saar,

Saarbücken, bei Prof. Bodo Baumgarten und Prof. Gabriele Langendorf

2009 Diplom Freie Kunst

2009-2011 Studienvertiefung im Bereich der Licht- und Rauminstallation, bei Prof.

Daniel Hausig und Claudia Brieske, HBK Saar

Seit 2014 Mitglied des Saarländischen Künstlerbundes

Kunstpreise, Auszeichnungen

2009 Ernennung zur Meisterschülerin von Prof. Gabriele Langendorf

2011 Kunstpreis Robert Schuman (nominiert) Cercle, Luxembourg

2016 Walter Bernstein Kunstpreis Schiffweiler, 1.Preisträgerin

www.giselazimmermann.de

Geboren 1978 in Zweibrücken

Seit 2001 Erzieherin

Seit 2006 interkulturelle Jugendarbeit

2010-2016 Studium Geschichte und Anglistik/Amerikanistik, 1. Staatsexamen

Ab August 2016 Referendariat Gemeinschaftsschule

Seit 2015 Vorstandmitglied der Heinrich Böll Stiftung Saar 

Geboren 1955 in Saarbrücken.

Seit 1988 freier Mitarbeiter im Ausstellungsbetrieb

Seit 1990 selbständig als Künstler und Gestalter

Seit 1991 zahlreiche Bühnenbilder für freie Theaterproduktionen

1993 erste Einzelausstellung in der Residerwerkstatt der Gasgebläsehalle, Völklingen

2007/2008 Gastdozent an der HBK Saar als Mitarbeiter von Prof. Daniel Hausig und

Claudia Brieske am Projekt „Das inszenierte Fenster in der nächtlichen Stadt“.

Seit 2008 Kunstkurse „Lebenswelten“ an verschiedenen Schulen in SB und VK.

Seit 2009 Beteiligungsprojekte mit Jugendlichen in Saarbrücken-Malstatt

Seit 2014 Kreativangebote in der Wärmestube Saarbrücken 

Votum der Jury

Das Kollektiv Zimmermann-Tosun-Langhammer wirft bereits seit Jahren beharrlich den Blick auf die Generation, die im Lebensraum der Region Saarbrücken heranwächst, und erreicht mit ihren engagierten Kunstprojekten eine beeindruckende Resonanz bei jungen Menschen, vielfach auch bei Menschen mit ‚Migrationshintergrund‘. Mit ihren Kunstprojekten beziehen sie sich auf aktuelle soziale und kulturelle Entwicklungen.

Was sie auszeichnet, ist der vorurteilsfreie Blick auf Themen, die Jugendliche aus den unterschiedlichen Milieus bewegen. Die Künstlergruppe vermittelt ihnen in den unterschiedlichsten Projekten durch die Sprache der Kunst eine Haltung, die Humanität, Toleranz und Wertschätzung fordert und vormacht. Ihre Kunstprojekte  hinterlassen Spuren in den Herzen heranwachsender junger Menschen in der Region Saarbrücken, verleihen ihnen Selbstvertrauen  und schenken ihnen ein Gefühl von Gemeinschaft, Miteinander und regionaler Identität.

Zentrale Ziele ihrer künstlerischen Arbeit sind die Stärkung der Persönlichkeit und die Integration der Jugendlichen. Diese erfahren, dass künstlerisches Arbeiten unabhängig von Alter, Herkunft und Bildung verbindet und solidarisiert. Gleichfalls erreicht die Künstlergruppe, dass die unterschiedlichen Milieus, in den die heranwachsenden Menschen leben, besser vernetzt und verwoben werden.

Ihr künstlerisches (Netz -)Werk schafft letztlich  Bezüge zu aktuelle Themen- und Problemstellungen in der Region Saarbrücken -  insbesondere zur Jugendarbeit - und fördert den Dialog zwischen engagierter Kunst und nachhaltiger regionaler Entwicklung.

Die Jury beglückwünscht Gisela Zimmermann, Rûken Tosun und Thomas Langhammer zu ihrer Arbeit!