Was ist der Eurodistrict?

Viele seiner Projekte und Veranstaltungen sind in der Region bekannt, darunter zum Beispiel die Velo SaarMoselle, das Warndt-Weekend oder der internetbasierte Freizeitführer. Doch was ist der Eurodistrict eigentlich genau?

Der Eurodistrict SaarMoselle ist am 6. Mai 2010 als Europäischer Verbund für territoriale Zusammenarbeit (EVTZ) offiziell gegründet worden. Er besteht aus acht Mitgliedern. Neben dem Regionalverband Saarbrücken sind dies die französischen Gemeindeverbände Forbach, Freyming-Merlebach, Sarreguemines, Sarralbe, St. Avold, Creutzwald und Faulquemont. Er umfasst somit rund 170 Städte und Gemeinden, in denen 650.000 Menschen leben. Er kann eigenständig Fördermittel bei der EU beantragen und erhält zudem einen jährlichen Mitgliedsbeitrag von 80 Cent pro Einwohner. Das Arbeitsprogramm wird von der Versammlung beschlossen. Sie besteht aus 62 Delegierten der Mitgliedsverbände, je 31 aus Frankreich und 31 aus Deutschland. Der Präsident des Eurodistricts ist derzeit Regionalverbandsdirektor Peter Gillo. Vizepräsident ist Roland Roth, der Präsident des Gemeindeverbands Sarreguemines.

Eurodistrict SaarMoselle – der Weg in eine Erfolgsgeschichte?

Franzosen wie Deutsche haben in unserer Grenzregion bewiesen, dass sich ähnelndes Alltagsleben, gleiche kulturelle Wurzeln und erst recht gemeinsame Nöte mehr verbinden können als die Ideologie einer „großen Politik“ zu trennen vermag.

Die Gefühle, die noch unsere Großeltern diesseits wie jenseits der Grenze zum deutsch-französischen Verhältnis hegten, waren höchst zwiespältig. Da war zum einen noch der Begriff der „Erbfeindschaft“ zwischen beiden Staaten, genährt durch drei furchtbare Kriege, die gerade unserer industriell geprägten Region sehr zu schaffen machten. Da gab es aber auch – eigentlich schon immer – die pragmatische Seite: weder Grenze noch Krieg haben es je geschafft, den „kleinen Grenzverkehr“ zu verhindern oder etwa das Kohlegraben in ertragreichen Flözen unter der Grenze hinweg auszusetzen.

So dauerte es nach dem schlimmsten aller Kriege nicht lange, bis Ortsgemeinschaften, Vereine und Schulen sich wieder „über die Grenze wagten“ und – ermutigt durch den Aussöhnungswillen de Gaulles und Adenauers und gestärkt durch die europäische Vision Schumanns – partnerschaftliche Verbindungen eingingen. Kommunale Partnerschaften und die Kooperationen auf Verwaltungsebene waren auch die Wegbereiter eines Prozesses, der Ende der 1970er Jahre deutlich an Fahrt aufnahm.

Gute Erfahrungen im kommunalen, grenzüberschreitenden Politik- und Verwaltungsaustausch führten schließlich 1997 zum Zusammenschluss  von Gemeinden und Gemeindeverbänden aus dem Grenzraum zum grenzüberschreitenden Verein Zukunft SaarMoselle Avenir. Seine Zielsetzung: Strukturierung und weiterer Ausbau der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit.

Anlässlich des 40. Jahrestages des Elysée-Vertrages riefen die deutsche und französische Regierung 2003 zur Schaffung sog. Eurodistrikte auf. Und bereits ein Jahr später, 2004, unterzeichneten über 600 politische Vertreter des grenzüberschreitenden Raumes eine gemeinsame Erklärung zur Gründung eines Eurodistricts Saarbrücken-Moselle Est. In den Folgejahren entstand nach und nach ein Leitbild für die Region SaarMoselle und es reifte die Absicht, der Zusammenarbeit eine verbindlichere Struktur in Form eines EVTZ (Europäischer Verbund für territoriale Zusammenarbeit) zu geben. Schließlich kam es am 6. Mai 2010 zur formellen Gründung des Eurodistrict SaarMoselle.

 Sitz des EVTZ ist Sarreguemines, seine Geschäftsstelle – das Kooperationsbüro – ist am Saarbrücker Schlossplatz angesiedelt. Im Schnitt 8 – 10 Kolleginnen und Kollegen, allesamt zweisprachig ausgebildet und mit den französischen wie deutschen Verwaltungs- und Rechtsstrukturen bestens vertraut, arbeiten unter Leitung der Directrice Isabelle Prianon an vielfältigen Projekten, die allesamt einem Ziel dienen: Aufbau einer grenzüberschreitenden Agglomeration, die den Herausforderungen des Strukturwandels und den alltäglichen Problemen der Einwohner im Grenzraum besser begegnen kann. Es gilt den Raum für Unternehmen wie für Arbeitskräfte attraktiver zu machen und ihn so im Wettbewerb der Regionen Europas zu stärken, damit Wachstum, Beschäftigung und Lebensqualität der Bewohner gewährleistet werden. 

Informieren Sie sich unter  www.saarmoselle.org oder  www.saarmoselle.fr